PFÄLZER SCHALES, DER BEGEHRTE KARTOFFELPUFFER AUS DEM OFEN IN DER FETTARMEN VARIANTE



Müllers Streuselchen teilte mir die Tage mit, dass sie als Kind stets mit dem Zwerg Adalbert Ackergold Kartoffeln ausmachte. Als Belohnung gab es danach den besten Pfälzer Schales, den sie je gegessen hatte: knusprig goldbraun gebraten.



Sie erzählte häufig fantastische Geschichten. Doch ich will sie Dir nicht vorenthalten, denn jeder besitzt seine eigene Wahrheit. So soll es gewesen sein:

"Beeil dich bitte, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit. Vier Zentner Kartoffeln müssen wir ernten." Die Herbsttage wurden bereits dunkler, und Adalbert Ackergold lagerte für den Winter Kartoffelvorräte ein.
"Für krossen Schales," sagte er vergnügt. Bei diesen Worten strich er sich genüsslich über den Bauch. Wahrscheinlich schwelgte er gerade in Bergen von Schales mit viel Dörrfleisch darin. Schließlich gehörte er noch zur alten Garde der Deftigesser. 
Dabei zwinkerte er ihr mit lustigen braunen Augen zu. In der Mitte des kugelrunden Gesichtes saß eine kleine Knubbelnase, darunter lächelte ein breiter Mund ganz vergnügt. Um seiner runden Glatze herum wuchs ein weißer, schmaler Haarkranz und sein Bäuchlein war ein stattliches Bäuchlein, das er gekonnt auf seinen dünnen Beinen herumtrug. Und an den Füßen trug er die größten Gummistiefel, die Müllers Streuselchen je zu Gesicht bekommen hatte.



Sie entdeckte sechs Flechtkörbe am Rand des Kartoffelackers, bis auf einen gefüllt mit schönen dicken Kartoffeln. Schnell nahm sie den leeren Korb und trug ihn zu den zwei letzten Reihen, auf denen sie noch verdorrtes Kartoffelkraut entdeckte. Dort kniete sie nieder und wühlte mit den bloßen Händen in der trockenen lockeren Ackererde, genau wie er es ihr gezeigt hatte. Und wirklich, ein ganzes Nest von Kartoffeln fand sie, auch einen großen Regenwurm, der jedoch schnell davon kroch. Eine Kartoffel nach der anderen holte sie zufrieden und glücklich aus dem Boden heraus. Behutsam legte sie sie mit ihren beiden kleinen Händen in den Korb.

Adalbert Ackergold trippelte schon von einem Bein auf das andere. Er konnte es kaum erwarten, voller Sehnsucht nach seinem Schales teilte er ihr eifrig mit: "Weißt du was? Was hält du von, hmmmm, Schales mit Apfelmus und Salat?" Müllers Streuselchen nickte.

Hurtig stellten sie die Körbe in seinen kleinen Anhänger, der neben einer großen Eiche stand. Schwer schnaufend zogen sie das Gefährt zu seinem Erdkeller, wo er sie einlagern wollte.



Dabei erzählte er ihr den ganzen Weg von den leckeren Gerichten, die er und die Dorfbewohner aus Kartoffeln zubereiteten. Vom Schales wusste sie ja schon, nun kamen noch hinzu: Kartoffelpuffer, Bratkartoffeln, Kartoffelknödel, Kartoffelpüree, Backofenkartoffeln, Kartoffelgulasch, Kartoffelgratin, gefüllte Kartoffeln, Kartoffelsuppe, Kartoffelpizza und Kartoffelauflauf, ach ja, und die schlichten Pellkartoffeln.

Seit diesem Kindheitserlebnis schwörte Müllers Streuselchen auf Schales, vorzugsweise in der fettarmen Variante und ohne Dörrfleisch. Ein Nationalessen der Pfälzer wie die weltbesten Grombeerewaffeln, die sie so liebte.





Zutaten für 2 Personen
Schales aus dem Backofen
800 g mehligkochende Kartoffeln
200 g geputzter Lauch
2 Eier
ca. 2 EL Weizenvollkornmehl
1/2 Bund Petersilie
einige Blättchen Thymian
frisch geriebener Muskatnuss
Salz
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Olivenöl zum Ausfetten und Bestreichen

Backofen auf 200°C Unter-/Oberhitze vorheizen.
Kartoffeln mit der Bürste unter fließendem Wasser gut reinigen, in eine Schüssel grob hineinreiben. Lauch vierteln und klein würfeln, Kräuter klein schneiden, alles mit dem Mehl und den Eiern zu den Kartoffeln geben. Mit Muskatnuss, Salz und Pfeffer herzhaft abschmecken und sorgfältig vermischen.
In eine gefettete gußeiserne Pfanne oder wenn nicht vorhanden, ein Backblech gut ausfetten oder mit Backfolie auslegen und die Kartoffelmasse daraufgeben, fest andrücken. Je dünner die Masse ausgestrichen ist, dafür eignet sich von der Größe am besten ein Backblech, umso schneller ist der Schales gar und knusprig.
Den Teig mit Olivenöl bestreichen und in den vorgeheizten Ofen geben, für ca. 35-60 Minuten je nach Dicke der Kartoffelmasse, knusprig goldgelb braten.

Dazu grüner Salat und/oder Apfelmus, je nach Appetit, reichen.

Leider ist es nicht von der Hand zu weisen, dass so manches Pfälzer Regionalgericht etwas üppig geraten ist, was sich auf den Hüften absehbar ansetzen wird, solltest Du Deinen Gelüsten freien Lauf lassen.
 Natürlich ist es mir bewusst, dass Schales, gebraten und gewendet mit viel Fett in der Pfanne, als Klassiker Deine Aufmerksamkeit voll verdient.

Dennoch schlage ich Dir diese fettärmere Version vor, weniger gehaltvoll und darum wunderbar geeignet zum Schwelgen.

Liebe Grüße aus dem Kartoffelkeller, ich lagere gerade meine Winterkartoffeln ein, Deine

Kommentare:

  1. Liebe Sigrid, Schales ist sooooo lecker, also wir Pfälzer wissen schon was man Gutes aus der Kartoffeln zaubern kann. :o) Also früher liebte ich ja die etwas deftigere Variante, aber heute würde ich lieber deine leichtere und vegetarische Version von Schales essen. Und natürlich mit Apfelmus.....einfach köstlich. Danke fürs Rezept und schöne Fotos, liebe deine Landküche.Liebe Grüße Anna

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    1. Liebe Anna,
      vielen Dank für Deine herzlichen Worte. Es ist doch schön ein Pfälzer zu sein, denn dieser bekommt schon zu Beginn seines Lebens ein herrliches Repertoire von Kartoffelgerichten in die Wiege gelegt. Die deftigere Variante mit viel Fett in der Pfanne gerührt, gab es bei uns häufig, doch jetzt langen wir lieber bei der obengenannten fettärmeren Variante zu. Meine ist auch immer mit Apfelmus, wunderbar.
      Ganz liebe Grüße Sigrid

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  2. Mhm köstlich,und so eine gute Idee das ganze einfach in den Backofen zu geben!Werde ich probieren=)
    Liebe Grüsse,
    Krisi

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    1. Hallo Krisi,
      es muss nicht immer kompliziert sein. Wenn es mal schnell gehen soll, darf dieser Kartoffelpuffer ganz alleine im Backofen vor sich her bruzzeln. Viel Freude beim Ausprobieren.
      Liebe Grüße Sigrid

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  3. Liebe Madam Rote Rübe :)
    Wir sind auch Kartoffel-Selbstanbauer und -Versorger (auf 400 m²), sodass ich sehr gespannt bin, wie diese Zubereitungsart der Kartoffeln schmeckt. Ich bin immer auf der Jagd nach Neuem, dass ich mich auf weitere Rezepte freue :)
    Liebste Grüße aus dem entfernten Halle/ Saale

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    1. Lieber Jules,
      wie schön, dass Ihr als erprobte Kartoffelfans auf mein Rezept aufmerksam geworden seid. Natürlich wünsche ich mir, dass es Eurem Geschmackstest standhält. Kartoffeln sind für mich ein absolutes Grundnahrungsmittel, ich könnte sie immer in den verschiedensten Variationen essen.
      Liebe Grüße Sigrid

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  4. Liebe Madam Rote Rübe,
    ich bin begeistert von Deinem wunderschönen Blog und den tollen Pfälzer Rezepten, die ich auch noch aus meiner Kindheit kenne! Bei dem köstlichen Anblick der Pfanne voll Schales, bekam ich furchtbar Hunger ;O)
    Die Geschichte dazu ist herrlich, ich fühlte mich gerade in meine Kindertage zurückversetzt! Danke für dieses so kostbare Gefühl!
    Ich habe Deinen tollen Blog über Pinterest gefunden und werde mich aber auch gleich mal per Email als verfolgerin eintragen, damit mir Deinen schönen Posts nicht entgehen!
    Hab noch einen gemütlichen Restmontag und eine schöne Woche!
    ♥ Allerliebste Grüße,von einem Pälzer Määdsche namens Claudia ♥

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    1. Liebe Claudia, liebes Pfälzer Määdsche,
      eine größere Freude konntest Du mir gar nicht machen .... so begeisterte Worte.... toll. Wie schön, dass Du hierher gefunden hast - sei herzlich willkommen.
      Auch Dir eine wunderbare, kulinarisch genussvolle Woche,
      liebe Grüße
      Sigrid

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    2. Liebe Sigrid,
      danke für Deine so herzliche Begrüßung! Ich muss mich noch durchkämpfen durch all Deine herrlichen und so leckeren Posts!
      Ich wünsche Dir einen zauberhaften Tag!
      ♥ Allerliebste Grüße,Claudia ♥

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    3. Aber doch nicht dafür, liebe Claudia, .... freue mich über jedes Wort von Dir. Auch Dir einen sonnigen Tag.
      Herzlichst
      Sigrid

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