HEUTE GIBT ES PFÄLZER GROMBEERWAFFELE, WOHLGEMERKT: KEINE KARTOFFELWAFFELN


Hansi reagierte nicht. Dabei teilte ich ihm eine wirklich frohe Botschaft mit, nämlich: "Morgen gibt es Kartoffelwaffeln." Eigentlich ein Grund in laute Begeisterungsausbrüche zu fallen, doch es kam nur ein Hmmm von seinen Lippen, irgendwie war er abwesend. Zwei Stunden später erwähnte ich nochmals im Gespräch, schließlich ging nichts über eine gute Kommunikation in der Ehe: "Morgen backe ich Grombeer-Waffele nach Frau Elsebuschs Rezept", und nun vernahm ich endlich ein freudiges Jaaa von seinen Lippen. Aha. Es lag also an dem Wort Grombeer-Waffele.

Auf Kartoffelwaffeln wurde hier nicht reagiert, als Pfälzer besaß Hansi schließlich seinen Nationalstolz. Vielleicht verstand er auch das Wort Kartoffeln nicht, vielleicht klang es für ihn wie chinesisch, wer weiß. Doch nun funktionierte die Kommunikation wieder und Hansi verleugnete seine Vorfreude auf dieses ultimative Kulturgut nicht.


Das beste regionale Landfrauenrezept
Du fragst Dich bestimmt, wie ich stolze Besitzerin dieses einzigartigen
Familienrezeptes wurde? Das kam so. Eines Tages rief Frau Elsebusch, eine ganz liebe Nachbarin, an und fragte: "Du wolltest doch immer mal meine Grombeerwaffele fotografieren. Heute mittag bereite ich welche zu. Wenn du magst, komm einfach herüber." Dies ließ sich Madam Rote Rübe nicht zweimal sagen, pünktlich um 12.30 Uhr stand ich mit Kamera und Stativ unterm Arm auf der Matte. Als ich zur Tür hereinkam, erfüllte bereits ein wunderbarer Backduft den ganzen Flur, und je höher ich die steile Treppe hinaufging, steigerte sich dieser zu einem wahren Duftcrescendo zur Küche hin. Gerade kratzte Frau Elsebusch den noch verbliebenden Rest Teig für eine letzte Waffel in der großen Schüssel zusammen, dann verschwand er in dem gewaltigen Waffeleisen.

Dazu solltest Du wissen, Grombeerwaffele sind nicht einfach nur Waffeln, sie sind das sündhaft leckere Ereignis zu Geburtstagen, an Feiertagen, für besondere Sonntagessen. Mit Braten oder Gulasch bereitet es jede Hausfrau, die etwas auf sich hält, im Kohlbachtal zu. Auf jeden Fall war es schon mindestens 50 Jahre Tradition im Hause Elsebusch, dass zu den genannten Tagen und natürlich auch noch viel öfters, sobald dem Hausherrn eine Freude bereitet werden sollte,  die köstlichen Grombeerwaffele gebacken wurden. Leider blieb im Dunkeln, seit wieviel Generationen dieses traditionsreiche Gericht im Hause verankert war.



Stolz zeigte mir Frau Elsebusch ihr Waffeleisen, seit 1962 im Betrieb. Der Zahn der Zeit nagte an ihm, wie Du sehen kannst. Sie teilte mit, dass eine Bekannte von ihr auch so ein wundervolles Waffeleisen besaß und da sie sich dafür schämte, dass es schon so ramponiert aussah, reinigte sie es mit Backofenreiniger. Ende der Geschichte war, das Waffeleisen sah fast wie neu aus, leider funktionierte es nicht mehr. Daher bliebe ihr Waffeleisen so, wie ein Waffeleisen halt aussähe, das stetig und liebevoll benutzt würde. Liebe/r Leser/in, dieses Waffeleisen backte schon unzählige Grombeerwaffele mit Erfolg, etwas größer vom Umfang als die normalen Waffeleisen, brachte es knusprige mit Speck versehene Waffeln hervor, die schon viele Mäuler satt bekamen. Frau Elsebuschs Gatte liebte diese Waffeln so sehr, dass er sie eines Tages um ein niedergeschriebenes Rezept bat, damit ihm dieses Rezept für immer erhalten bliebe, wenn, Gott sehe es vor, ein Unglück die Hausfrau ereilen würde. Datiert mit Oktober ´96 kam ich nun in den Besitz dieses erprobten Rezeptes. Vielen Dank, liebe Frau Elsebusch.


Grombeerwaffele - Der Westrich backt
Grumbeerwaffele sind tief in der Westpfälzer Kultur, speziell im Westrich,
verwurzelt. Schon um die Jahrhundertwende fungierten sie als Hauptmahlzeit für die schwer arbeitenden Grubenarbeiter.
Montags in der Frühe gingen sie mit einem vollgepackten Rucksack, dessen Hauptlast aus Grombeerwaffeln bestand, einen langen Fußweg durch die Wälder und Dörfer zu den Gruben, in denen sie die ganze Woche schwer arbeiteten. Hier wohnten sie gemeinsam in einem Wohnheim, in dem abends nach der Schicht die Waffeln aufgebacken wurden.

Ein preiswertes, nahrhaftes Essen, das sehr beliebt war und nicht wie so viele Gerichte dann in den Hintergrund geriet.
Oh nein, auch heute noch lieben die Westpfälzer, ganz besonders die Kohlbachtaler, ihre Grombeerwaffele.

Pünktlich zum 1. Mai holen die Vereine immer wieder die ganz alten gußeisernen Waffeleisen aus dem Bestand hervor und verwöhnen die Bevölkerung mit den krossen Waffeln. Daher, hoch soll die Grombeerwaffel leben, als Festtagsessen und als einfaches Alltagsessen mit grünem Salat oder Apfelmus.

Bleiben noch Reste über, werden diese am nächsten Tag klein geschnitten mit Eiern oder Hausmacherwurst schön kross in der Pfanne gebraten und nochmals mit Genuss verputzt.


Nach dem Fotoshooting bei Frau Elsebusch backte ich diese genialen Waffeln in der vegetarischen Vollwertversion für Euch nach. Daran ist nicht zu rütteln, auch in dieser Variante schmecken sie herrlich. Nur das Vollkornmehl solltest Du etwas vorsichtiger dosieren, es kommt maßgeblich auf die enthaltene Feuchtigkeit der Kartoffeln und auf die Feinheit der Kartoffelreibe an.

Wenn Du das Original-Rezept ausprobieren möchtest, dann gib nach Frau Elsebusch anstelle von Weizenvollkornmehl ca. 350 g Weißmehl sowie 150 g Dörrfleisch in kleinen Würfeln hinein.


Rezept für 8 Waffeln
Vollwert Grombeer-Waffele
1 kg Kartoffeln
2 Eier
1 Zwiebel
1 Stange Lauch
1/8 l Milch oder Sahne-Wassergemisch
ca. 150-200 g Weizenvollkornmehl
2 TL Salz
1 Schuss Öl

Kartoffeln waschen, gut schrubben und bei intakter Schale mit dieser durch den feinen Reibeeinsatz der Küchenmaschine geben. Vorbereitete Zwiebel und Lauch fein würfeln. Mit den anderen Zutaten zu der Kartoffelmasse geben und gut durchmischen.
Waffeleisen erhitzen und vor dem ersten Einsatz leicht einfetten. Dann jede Waffel auf höchster Stufe einige Minuten backen, bis sie braun und knusprig geworden ist.
Tipp:
Sehr gut schmecken diese Waffeln mit grünen Salat oder, wer die süße Variante bevorzugt, mit Apfelmus.


Dieses Rezept nimmt in der Kategorie "Rezept typisch regional" beim Food Blog Award 2015 teil.


Ich wünsche Dir gutes Gelingen und hege die Hoffnung, dass dieses einfache und preiswerte Gericht auch außerhalb des Kohlbachtals wieder öfters auf den Tisch kommt.
Die Mühe lohnt sich auf alle Fälle, es schmeckt einfach großartig, Deine






Kommentare:

  1. Liebe Sigrid, ich kenne ja Grumbeerpannekuche, aber Waffeln mit Kartoffeln, das ist mal eine ganz andere Variante, sieht lecker aus. So eine Art Frau Elsebusch hatte meine Oma früher auch als Nachbarin, die sind Gold wert mit ihren Rezepten und Tipps rund ums Backen und Kochen. Mit deinen kleinen Geschichten von der Pfälzische Landküche, kann ich mir sehr gut vorstellen, wie schön das bei dir auf dem Land dort sein muß. Danke für dieses Kartoffelrezept, liebe Grüße Anna

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    1. Liebe Anna,
      ich schwebe immer im Himmel, wenn ich die Gelegenheit wie hier bekomme, mal hautnah, ich muss schon sagen, Alekeijer Nationalessen mitzubekommen. Die Erfahrungen müsste ich mir sonst mühsamst aneignen. Meine Nachbarin ist wirklich ein ganz besonderer Schatz und auch ein Grund, dass ich mich hier so wohl fühle.
      Doch seitdem ich Dich, liebe Anna, gesucht und gefunden habe, macht mir das Bloggen noch mal so viel Freude. Danke Dir.
      Ganz liebe Grüße Sigrid

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  2. Liebe Sigrid...danke für dieses tolle Rezept. Ich habe die Waffeln heute ausprobiert und dich gleich mit in meinem Blog verewigt. Liebe Grüße und viel Freude weiterhin am Bloggen....Simone

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    1. Liebe Simone,
      wie schön, dass dieses Rezept so seine Bahnen zieht, das freut mich, vielen Dank. Auch Dir wünsche ich für die Zukunft alles Gute mit Deinem Blog.
      Liebe Grüße Sigrid

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  3. Wow, ein wirklich fantastisches regionales Rezept! Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, damit gewinnst Du bestimmt den 1. Platz beim Food Blog Award! :-)
    Und die Geschichte hat definitv auch einen Preis verdient!
    Das Rezept merke ich mir auf alle Fälle, Kartoffelwaffeln/Grombeerwaffele habe ich bisher nur in der nicht-vegetarischen Variante gesehen und alle meinen, dass schmeckt auch nur mit Speck. Aber wenn du mir das Rezept hier ans Herz legst, verlasse ich mich drauf! :-)
    Liebe Grüße,
    Patricia

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    1. Liebe Patricia,
      vielen Dank für Deine guten Wünsche, ich habe mich ganz doll darüber gefreut, sie haben definitiv auch nachträglich gewirkt, unter die ersten neun bin ich mit dem Rezept gekommen. Ich erwähne es immer wieder gerne bei FB, weil es in der Pfalz so häufig auf den Tisch kommt.
      Liebe Grüße
      Sigrid

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  4. hej Sigrid,
    das ist bestimmt ein geniales Rezept und da wir noch Kohlrouladen von gestern übrigen haben, könnte doch so eine Waffel gut dazu passen :-) Muß mal schauen ob ich alles da habe :-)
    lg Heike

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    1. Liebe Heike,
      ich bin gespannt, wie sie euch schmecken. Bei uns passen die Waffeln überall dazu, von pikant bis süß. Meine liebste Variante ist allerdings mit Apfelkompott, doch hier im Dorf wird sie meistens herzhaft gegessen.
      Liebe Grüße
      Sigrid

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  5. Gabi Gründling11. Juni 2017 um 22:42

    wir haben heute die Waffeln gebacken - im teflonbeschichteten Eisen. Geht auch. Man muß nur tatsächlich vor jeder Waffel etwas Öl nehmen. Dazu gab's Wildschweinrücken vom Grill und grünen Salat.

    KÖSTLICH!

    Morgen gibt's die Reste zum Mittagessen in Park. Ich bin sicher, kalt sind sie nicht minder toll.

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    1. Liebe Frau Gründling,
      Ihre Beschreibung klingt nach einem wunderbaren Festessen - ich kann mir gut vorstellen, dass dazu die Waffeln perfekt geschmeckt haben.
      Viele, die ich kenne, essen die Waffeln mit Ei überbacken aus der Pfanne - ebenfalls ein feines Resteessen - aber im Park munden sie bestimmt noch besser.
      Herzlichen Dank für Ihre Rückmeldung, es ist immer wieder schön zu lesen, dass meine Lieblingswaffeln so gut ankommen.
      Liebe Grüße
      Sigrid

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